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reinholdLiebe Leserin, lieber Leser,

die Weihnachtstage stehen nahe bevor. An vielen Häusern leuchtet Lichterschmuck, jede Ortschaft hat ihren großen Christbaum aufgestellt, und in den Städten sind die Straßen stimmungsvoll geschmückt. Trotzdem will sich die ersehnte Weihnachtsstimmung nicht einstellen, denn das wichtigste fehlt: die Menschen, die gut gelaunt beisammen stehen, essen, trinken, einander Zeit schenken. Corona hat mit seinen notwendigen Einschränkungen und dem Ernst der Lage einen dicken Strich durch alle Erwartungen gemacht. Selbst für Familien sind gegenseitige Besuche oft nicht möglich. Das schmerzt! Auch dass Angehörige oder Freunde Weihnachten im Akutkrankenhaus verbringen müssen, bedrückt sehr. Vielleicht - ja unbedingt! - müssen wir uns über Weihnachten Gedanken machen.

Statt diese Tage gemächlich zu genießen verbringen Pflegekräfte und Ärzte, Feuerwehrleute und Polizei die Weihnachtstage im Einsatz für ihre Mitmenschen. Andere sind bei den Flüchtlingen in den Lagern unter eigentlich unzumutbaren Verhältnissen. Menschen im Irak oder Syrien verbringen Weihnachten in den Ruinen ihrer zerbombten Städte. In einem unbehausten Stall in Bethlehem treffen wir Jesus, der aus Gottes Licht in unsere Menschenwelt kommt. Suchen wir IHN an Weihnachten - oder doch mehr unsere gewohnte und jetzt z.T. vermisste Weihnachtsstimmung?

Stichwort Betlehem: Dort, nur wenige 100 m von der riesigen Grenzmauer entfernt, steht ein Kinderkrankenhaus, das die schweizerische und die deutsche Caritas wesentlich mittragen. Babys und Kinder gleich welcher Religion oder Nationalität, ob wohlhabend oder mittellos, werden hier liebevoll aufgenommen und sehr gut medizinisch versorgt. Auch dies ist Weihnachten.

Die Glaubwürdigkeit der Kirche hat durch die Missbrauchsaffäre großen Schaden genommen. Aber es gibt auch die andere Seite: Mitarbeiter der Kirche leisten Tag für Tag große Hilfe, halten aus in großen Schwierigkeiten und Gefahren. Sie helfen aufzubauen, machen mit neuen Ideen Menschen Mut und Schaffen Hoffnung. Ich sehe sie ganz nahe bei Jesus! Unterstützen wir sie mit unseren Spenden und mit unserem Gebet!

Noch ein anderes Anliegen möchte ich aufgreifen. Über unsere politisch Verantwortlichen wird zur Zeit viel geschimpft, so, als seien sie für die schlimme Corona-Welle verantwortlich. So einfach sehe ich die Sache nicht. Den ganzen Sommer über gab es reichlich Gelegenheit, sich impfen zu lassen, und es fehlte auch nicht an Appellen dazu. Sehr viele haben die Warnungen einfach nicht ernst genommen, Vorschriften großzügig übertreten und sich so sehr unsolidarisch verhalten. Andere haben sich in Proteste hineingesteigert oder den Gerüchten mehr vertraut als den Fakten. Wenn man schon „Schuldige“ sucht, dann muss mancher bei sich selbst anklopfen. Der menschgewordene Gottessohn hat sich mit uns solidarisiert. Wie steht es um unsere Solidarität, im Nahbereich und mit allen Menschen?

Zuletzt noch: Viele werden an diesem Weihnachten kaum eine Gelegenheit finden, um in einer Kirche den Gottesdienst mitzufeiern. Dann gestalten Sie mit Ihrer Familie einen guten Hausgottesdienst! Unser Gebetbuch, das Gotteslob, gibt unter der Nummer 26 eine gute Anleitung.

Und schließlich, weil zuhause kein Opferkörbchen herum gereicht wird, geben Sie Ihr Weihnachtsopfer für das Hilfswerk „Adveniat“ (= für die Christen in Lateinamerika) bei einem der Gottesdienste, im Pfarrbüro oder per Banküberweisung. Seien auch Sie nach Ihren Möglichkeiten solidarisch, wie Jesus.

Ein frohes, gesegnetes, christusnahes Weihnachtsfest und ein ermutigendes Neues Jahr wünscht Ihnen das Team der Seelsorgerinnen und Seelsorger.

Reinhold Kargl Pfarrer i. R.

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