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04.10.2020 - Seit 1. Oktober ist Pater Korbinian Klinger der neue Guardian des Klosters Kreuzberg. Im Rahmen des Franziskusfestes, das am ersten Oktober-Wochenende gefeiert wurde, wurde er offiziell vorgestellt und in seinem Amt als Hausoberer begrüßt. Symbolisch überreichte der bisherige Guardian Pater Georg Andlinger die Schlüssel der Kirche an Pater Korbinian. Andlinger ist Klingers Vikar, Pater Martin Domogalla, bisheriger Hausvikar, verzichtet auf sein bisheriges Amt.

Pater Georg ist sich sicher, der Schlüssel werde Pater Korbinian nicht unbedingt zum Zuschließen sondern zum Öffnen der Kirchentüre dienen und um Menschen willkommen zu heißen. Allerdings unterscheide sich diese Schlüsselübergabe von denen vergangener Zeiten. Stets habe ein Guardian am Kreuzberg an recht lebendige und reiche Tradition anknüpfen können. „Wallfahrten, Konzerte und Sonntagsgottesdienste und so manches was auf dem Kreuzberg gefeiert wurde, wir waren volle Kirchen auch überfüllte Kirchen gewohnt.“ In der Corona Zeit sei vieles von diesen Traditionen unterbrochen worden. Pater Korbinian könne nun nicht einfach die Tradition fortsetzen, wie seine Vorgänger es taten. „Es wird keine leichte Aufgabe sein an die unterbrochenen Traditionen anzuknüpfen und diese in eine gute und neue Zukunft zu führen.“ Dazu wünschte Pater Georg dem neuen Guardian Gottes Segen.

Mit einem herzlichen „Grüß Gott“ stellte sich Pater Korbinian den Gläubigen vor. Er zeigte sich zuversichtlich was die Zukunft der Traditionen auf dem Kreuzberg angehe, die sicherlich nicht in Vergessenheit geraten seien. Auch seien sie ja noch nicht so lange unterbrochen. „Sobald es möglich sei, werden sie sicherlich auch wieder lebendig werden.“

Seit Ende September ist der 62jährige auf dem Kreuzberg, sammelte schon erste Eindrücke von den Menschen und der Natur. Beeindruckt ist er wie sich die Rhön im Herbst präsentierte. Herb und rauh mit Regen und Nebel aber auch sonnig im bunten Herbstkleid. Er lebte bisher hauptsächlich in Städten wie München und in Rheda-Wiedenbrück in Norddeutschland. Die herbe Schönheit der Rhön wirke auf ihn faszinierend und zugleich herausfordernd, spannend und urtümlich. „Ich bin noch nie soviel spazieren gegangen, wie in den vergangenen Tagen. Die Umgebung ist spannender als München oder Rheda-Wiedenbrück. Die Gegend lockt.“

Neu ist für ihn auch die Kombination eines Klosters mit einem Wirtschaftsbetrieb. Corona-bedingt mit den vielen Absperrungen um den Biergarten wirke dies auf den ersten Blick nicht sehr einladend. „Das ist nun mal der Corona-Zeit geschuldet und unumgänglich“, zeigte er Verständnis, denn auch das kirchliche Leben auf dem Kreuzberg wurde ja deutlich zurück geschraubt. Es gibt keine Wallfahrten und keine Prozessionen. Dabei hatte sich Klinger, der aus Oberbayern stammt, schon auf typisch fränkische Wallfahrten mit Blaskapelle gefreut.

Dankbar habe er bereits registriert, dass es im Biergarten und den Wirtsstuben „nicht zu krachern“ zu geht. „Wir sind immerhin auch ein Kloster.“ Er baut auf ein gutes Miteinander mit dem Geschäftsführer Christian Weghofer.

Diese besondere Corona-Zeit sieht Klinger auch als Chance, um die Menschen, die tagtäglich zum Kreuzberg kommen kennen zu lernen. „Ich sehe viele Wanderer und Radfahrer, die hier Einkehren.“ Wie unterschiedlich die Bedürfnisse der Menschen sind, das wurde ihm in den ersten Tagen schon deutlich. „Nicht umsonst heißt der Kreuzberg, der Heilige Berg der Franken. Wir Franziskaner halten hier den Himmel ein bißchen offen. Ja, der Kreuzberg ist ein Ort, an dem Himmel etwas offen ist.“

In diesem Sinne möchte er als Guardian für die Menschen ein Franziskaner zum anfassen und ansprechen sein. Konkrete Pläne zu etwaigen Angeboten neben den Gottesdiensten hat er noch keine, kann sich aber durchaus vorstellen im Bruder-Franz-Haus in der Adventszeit in Richtung Meditation und Kontemplation etwas anzubieten. Sein großes Hobby ist kontemplatives Bogenschießen, das er in Münsterschwarzach kennen lernte. Dabei gehe es um Konzentration auf die innere Mitte, um aufrecht stehen und loslassen im richtigen Moment.

Vita:
Pater Korbinian Klinger 1957 in Freising in Oberbayern geboren. Nach dem Besuch der Realschule absolvierte er eine Ausbildung zum Verwaltungsbeamten in München und arbeitete später in der Stadtkämmerei von Freising. 1983 trat er in Bad Tölz in das Noviziat der Franziskaner ein. Er lernte den Beruf des Altenpflegers und arbeitete in auf der Pflegestation des Ordens in München, wo er für die pflegebedürftigen Mitbrüder sorgte. Die ewige Profess legte Klinger 1988 ab. Im Anschluss begann er sein Theologiestudium und wurde am 24. April 1994 zum Priester geweiht.

Am Haunerschen Kinderspital in München traf er auf Pater Michael Först. Der hatte als Klinikseelsorger die Initiative „Omnibus“ gegründet. Sie ermöglicht es Eltern, die weit entfernt von München leben, deren Kinder aber im Spital behandelt werden müssen, in kliniknahen Wohnungen kostenfrei zu übernachten. Jahre später wurde ein ganzes Haus geplant und gebaut. Kurz vor dessen Fertigstellung im Jahr 1998 starb Först und Klinger übernahm die Leitung, die er bis 2010 inne hatte

Nach der Zusammenlegung der vier ehemals selbstständigen Franziskaner-Provinzen zu einer wechselte Klinger ins Franziskanerkloster nach Rheda-Wiedenbrück. Nach Aufgabe des Noviziats im Jahr 2016 war klar, dass das Kloster keine Zukunft mehr haben werde. Ende Juni diesen Jahres übergab Klinger die Schlüssel an die gemeinnützige Genossenschaft „Kloster Wiedenbrück“, die eine weltliche Begegnungsstätte aus dem ehemaligen Kloster machen möchte und machte sich auf den Weg in die Rhön.

Der schnelle Blick ...

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